75 Jahre Metzgerei Max

So mancher mittelständische Betrieb schließt irgendwann seine Pforten, weil die Geschäftsführer in Rente gehen und sich niemand findet, der das Unternehmen übernehmen möchte. Diese Sorgen müssen sich Angelika Rädlein, Birgit Max-Köhn und Thomas Köhn, Geschäftsführer der Metzgerei Max in Hof, wohl nicht machen. Mit Maximilian Rädlein und Florian Köhn stehen zwei engagierte Nachwuchskräfte in den Startlöchern, die schon jetzt für reichlich frischen Wind sorgen. Zwar gingen sowohl Maximilian Rädlein als auch Florian Köhn erst einmal weg von zuhause, um einen anderen Beruf zu erlernen, doch heute sind sie beide zurück im elterlichen Betrieb. „Und ich würde nichts anderes mehr machen wollen“, betont der 24-jährige Maximilian Rädlein. Dass der Beruf des Metzgers in der Öffentlichkeit oft veraltet und falsch dargestellt wird, ärgert den jungen Mann, der außerdem geprüfter Ernährungsberater ist.

 

Die Metzgerei Max feiert heuer 75. Jubiläum, und die beiden jungen Metzgermeister gehen in vierter Generation dem bewährten Handwerk nach. Die lange Familientradition, die die beiden mit Stolz erfüllt, nahm 1938 in Berlin ihren Anfang: Georg Max, der Urgroßvater von Maximilian Rädlein und Florian Köhn, gründete eine Metzgerei, die sich bald großer Beliebtheit erfreute, unter anderem auch bei zahlreichen Schauspielern und Berliner Prominenz. Doch schon fünf Jahre nach der Gründung legte ein Bombenangriff das erfolgreiche Geschäft in Schutt und Asche. Georg Max beschloss, seine Kinder zu Verwandten nach Leupoldsgrün zu schicken, wo das Leben etwas sicherer war als im umkämpften Berlin. Zu Fuß mit einem Bollerwagen liefen Manfred Max und seine Schwester als Kinder von Berlin nach Leupoldsgrün, wo sie Gott sei Dank heil ankamen. Ihre Eltern Emma und Georg Max kamen später nach und eröffneten 1944 pachtweise eine Metzgerei in Konradsreuth. „Nach so einem Schicksalsschlag noch einmal ganz von vorne anzufangen, ist schon hart. Bewundernswert!“, sagt Max Rädlein über seine Urgroßeltern. „Ich weiß nicht, ob ich diese Kraft hätte.“ 1951 schließlich bezogen die Firmengründer nach Jahren der Pacht endlich wieder eine eigene Metzgerei – im Quetschenweg in Hof, wo noch heute Fleisch und Wurst produziert wird. Und die Mühe hat sich gelohnt: Heute hat der Betrieb 60 Mitarbeiter, darunter drei Auszubildende.

 

Rädleins Großvater Manfred Max, den meisten Hofern ein Begriff, legte 1963 seine Meisterprüfung ab und wurde Deutschlands jüngster Metzgermeister. Und schon damals war die Familie Max für neue Ideen gut: Man führte als eine der ersten Metzgereien in Deutschland den Partyservice ein. Ein Neubau der Verkaufsräume im Quetschenweg, die Eröffnung der Filiale in der Altstadt-Passage, der Bau des Festsaals am Quetschenweg sowie eine weitere Filiale im Kaufland, renommierte Auszeichnungen wie unter anderem die zur Metzgerei des Jahres laut „Feinschmecker“  - die Erfolgsgeschichte der alteingesessenen Metzgerei ist den meisten Hofern bekannt. Und auch Maximilian Rädlein und Florian Köhn sind bereits preisgekrönt: Für ihre innovative und außergewöhnliche Werbung bekamen sie im vergangenen Jahr den großen PR-Preis des Fleischerhandwerks. Wer die Flyer und Plakate mit den witzig-provokanten Fotomotiven sieht, bekommt nicht nur Lust auf Fleisch, sondern spürt vor allem auch auf den ersten Blick, dass die beiden Jungmetzger mit Leib und Seele dabei sind. „Es ist viel Arbeit, aber es macht auch viel Spaß“, fasst Rädlein zusammen. „Und wir sind froh, dass wir so viel Vertrauen von unseren Eltern und Großeltern bekommen und freie Hand haben, so viele Dinge auszuprobieren.“

 

Neben einem Online-Shop, der sich wachsender Beliebtheit erfreut und Kunden aus aller Welt hat, gehört zum Beispiel auch der Grillautomat Max24 zu den innovativen Ideen der Hofer Metzgerei. Von April bis Oktober kann man hier zu jeder Tages- und Nachtzeit Grillgut erstehen – von den klassischen Bratwürsten über Fleisch bis hin zur Kräuterbutter. Die Gäste des Hofer Volksfestes dürfen sich heuer außerdem auf den „Hallenburger“ und weitere neue Kreationen freuen, wenn Köhn und Rädlein zum ersten Mal für die Bewirtung im Festzelt verantwortlich zeichnen. Dem Bio-Boom dagegen trägt die Metzgerei Max nicht erst jetzt Rechnung. Auch hier übernahm man eine Vorreiter-Rolle: Schon seit zwölf Jahren wird ein Mal pro Woche in den Produktionsstätten ausschließlich Bio-Wurst und -Fleisch produziert. „Vorher und nachher wird jeweils gründlichst gereinigt“, erzählt Maximilan Rädlein, „denn schon ein Tropfen Fleischsaft aus herkömmlicher Produktion kann in einem Bio-Produkt nachgewiesen werden.“ Die Bio-GmbH der Firma Max, deren Geschäftsführer Rädlein ist, unterwirft sich dabei den Auflagen der Marke Demeter, die zu den strengsten überhaupt für Bio-Produkte gehören. Zwar werden diese Produkte derzeit nicht im Laden verkauft, sondern ausschließlich an den Bio-Einzelhandel, doch auch das Rindfleisch aus der „normalen“ Produktion ist etwas Besonderes: Die Metzgerei Max ist Partner des Weiderind-Projekts des Bund Naturschutz: Alle Tiere wachsen in Gruppen auf der Weide auf, haben reichlich Bewegung und erhalten nur hochwertiges, kräuterreiches Futter aus dem eigenen Betrieb oder von Betrieben aus der Region. Auch für alle anderen Tierarten gilt: Der Kunde kann jederzeit nachvollziehen, aus welchem Stall Rinder, Schweine, Lämmer und Kälber stammen; die Tierhaltung muss artgerecht sein und die Wege möglichst kurz.

Von diesen Grundsätzen können sich die Gäste auch beim Tag der offenen Tür am Samstag, 12. April, überzeugen. Von 8 bis 16 Uhr wird im Quetschenweg neben dem 75. Firmenjubiläum auch die Neueröffnung des umgestalteten Festsaals gefeiert. Die Gäste dürfen sich – neben einer Menge leckeren Essens – auf Betriebsführungen und Zerlegevorführungen freuen; es sind Landwirte, mit denen die Metzgerei zusammenarbeitet, zu Gast, sowie die Hofer Volksfestwirte.

 

Und weil auch die Brauerei Meinel an diesem Tag Jubiläum feiert, gibt es den ganzen Tag über einen Shuttle-Bus-Verkehr zwischen der Metzgerei Max und der Brauerei Meinel. Dort sind es zwei junge Damen, die regelmäßig frischen Wind ins traditionsreiche Familienunternehmen bringen.      

 

-Sandra Langer-PRO HOF-

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